21 posts tagged “banken”
Viel ist zum Thema und einem möglichen "Exempel", das an der UBS statuiert werden soll, schon geschrieben worden. Dieses Video-Interview scheint mir besonders interessant zu sein kurz vor dem Prozessbeginn...
Entweder kommt es zum teuren Befreiungsschlag ((Vergleich)) oder zu einem langjährigen Rechtsstreit, der im Anschluss auch weiteren Auslandsbanken ((erwähnt werden konkret die CS und HSBC)) blühen könnte.
PS: Nicht erst seit der Finanzhilfe durch den Bund ist auch die Schweizer Regierung und das Schweizer Banksystem für ausländische Kunden auf der Anklagebank. Ein Mosaikstein ist hochaktuell. Ohne in Verschwörungstheorien abzugleiten könnte die Affäre Tinner * ein weiteres Detail - nebst den häufiger hervorgebrachten politischen Argumenten aus Schweizer Seite ((UBS-Arbeitsplätze in den USA **, gute Dienste der Schweiz für die USA )) - darstellen. Spätestens wenn sich heraustellen sollte, dass die Akten CIA-verseucht sind und die Schweizer Regierung sich deshalb mit Händen und Füssen gegen eine Herausgabe wehrte und wehrt...
* http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/die_verworrene_affaere_tinner_im_zeitraffer_1.2982785.html
** Siehe dazu aktuell auch...
und...
http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/prof_kunz_1.2977913.html
Ein Verlustezyklus der eines Tages wieder auftauchen wird. Die Probleme ((asymmetrische Risiken)) bleiben nach wie vor ungelöst bei den zwei Grossbanken - sowohl bei den Lohnsystemen als auch beim Klumpenrisiko für die Schweiz und die Schweizer Währung...
PS: Update. Christoph Blocher hatte die Idee einer Holding/Abtrennung im letzten Oktober, vermerkte ich damals auch hier im Blog. Nun nimmt er die Idee ((Nebelgranate nach der Niederlage bei der letzten Abstimmung ;) ?)) wieder medienwirksam auf...
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Gespaltene-SVP-Blocher-und-Kaufmann-gemeinsam-gegeneinander/story/20246546
Ueber die letzten Jahre hatte nur Rudolf Strahm einige Male mit Nachdruck auf die Klumpenrisiken hingewiesen und Verbesserungsvorschläge eingebracht. Eigentlich erstaunlich, besonders nach dem Zusammenbruch der Swissair, welcher volkswirtschaftlich einen kleineren Schaden als bei einem potentiellen Zusammenbruch von UBS oder CS mit sich brachte.
Nachdem ich den gestrigen Abend neben einem netten Menschen Lalli verbringen durfte musste, der lauthals verkündete "die Hedge Funds seien schuld an der ganzen Finanzkrise" möchte ich dieses kurzes Video einstellen.
((Uebrigens: Der hohe Fremdkapitalanteil und das grosse Volumen unregulierter Instrumente einiger solcher Fonds haben die Krise sicher verstärkt, es gibt aber viele andere Ursachen; Hedge Fonds waren eher ein "Verstärker" der Folgeerscheinungen. Zudem dämpften Hedge Fonds als Gegenpartei auch viele Spekulationen in die Einbahn-Richtung stetig steigender Kurse bei Blasen...))
Denn Minuten später musste der Herr Lalli eingestehen, dass er eigentlich gar nicht wusste, was ein Hedge Fonds ist. Eine knappe und übersichtliche Einführung...
Viele Leute haben sich bis jetzt nicht mit der Abzockerinitiative auseinandergesetzt und haben weiterhin falsche Vorstellungen, etwa, dass eine Lohnobergrenze oder eine Bandbreite gefordert wird - dem ist nicht so.
Siehe dazu unten das Interview auf Telezüri vom 20. Oktober 2008. Der Initiant Minder ((wie auch der anwesende Vertreter der FDP Luzern, Otto Ineichen)) forden darüber hinaus wichtige Anpassungen in der Aktienrechtsrevision um das Depotstimmrecht zu verbessern ((Abstimmungspflicht für Pensionskassen etc.)) sowie bessere Unterschiede zwischen Kleinbetrieben und Konzernen, um unnötige Bürokratie zu vermeiden...
http://www.telezueri.ch/index.php?id=60868
((Videos sind im Archiv online verfügbar -> siehe 20. und 21. Oktober 2008))
Ein Silberstreif unter all den bürgerlichen Parlamentariern, die den Kopf in den Sand stecken oder austrocknende Spenden aus der Finanzbranche fürchten.
PS: Die FDP Luzern war übrigens eine der wenigen Sektionen der FDP ((oder überhaupt aller bürgerlichen Parteien)), weöche die Abzockerinitiative unterstützt hatte. Die Mehrheit der FDP spielte schon bei den Parallelimporten ein Trauerspiel mit ((Freunde Der Pharmalobby)), das F kann man bald aus dem Namen streichen.
PPS: Nur einen Tag später ((Dienstag, 21. Oktober 2008)) war der Wirtschaftsprofessor Walter Wittman Interview-Gast, auch dieses Interview ((besonders seine Erläuterungen zum europäischen Ordo-Liberalismus, die häufig missverstanden wurden)) ist sehenswert.
ROFL. Told. You. So. Ich muss nicht bis 2009 warten um auf meine Prognose vom 16.10.08 ((Punkt 3)) zu verlinken, dass die Versprechungen der UBS-Spitze bezüglich Boni reine Lippenbekenntnisse waren und bleiben werden...
Der Bund schiesst bei der UBS 6 Milliarden Franken ein, die Nationalbank übernimmt faule UBS-Papiere für 60 Milliarden. Doch diese Staatshilfe hindert die Grossbank nicht daran, im nächsten Frühling 7 Milliarden Franken an Boni auszuzahlen.
Zur Zahl von 7 Milliarden Franken will die Bank keine Stellung nehmen. Sprecherin Eveline Müller-Eichenberger sagt nur: «Es werden Boni gezahlt. Die Summe der Boni wird aber mit Sicherheit kleiner sein als im Vorjahr.» Damals waren es noch 12 Milliarden Franken – trotz Konzernverlust.
Habe keinen Zweifel, an den der Zeitung "Sonntag" gesteckten ((via Tagesanzeiger oben zitierten)) Infos zu zweifeln. Ich frage mich, wie naiv Bundesbern war, als diese Rettungsaktion ((pardon: vertrauensbildende Massnahme aus Sicht der Bank)) beschlossen wurde letzte Woche. Im Original der Zeitung "Sonntag" sieht das noch eindrücklicher aus für Leute, die sich wenig mit dem Thema beschäftigt haben. Die Boniauszahlungen der letzten Jahre zeigen die Grössenordnungen in Relation zur nun ((angeblich so dringend benötigten)) Bundeshilfe...
(( Quelle: Sonntag, 19.10.2008, Titelseite. Wohlgemerkt, es sind oben nur Boni dargestellt. Die ((zu)) hohen Dividenausschüttungen der letzten Jahre müsste man auch addieren... ))
Erstens ist es köstlich, wie sich nun alle über die Saläre aufregen, obwohl diese seit Jahren bekannt sind. Besonders die Politiker, das macht sich gut. Die Abzocker-Intiative des Kleinunternehmers Minder ((Trybol)) hat selbst die SP nur auf dem Papier unterstützt, die Grünen etwas aktiver. Ausser der Grünen Partei und einigen kleinen Sektionen anderer Parteien hat keine politische Kraft (( weder bei der Revision des Aktienrechts noch bei der Unterstützung der Abzockerinitiative)) viel Energie aufgebracht zum Thema.
Auf Kundenseite nicht anders: Vor UBS-Filialen und an Aktionärsversammlungen empören sich Kunden und Kleinaktionäre bei hingestreckten Mikrofonen. Köstlich 2.0. Wir haben kein Bankmonopol - kein Mensch hat diese Leute gezwungen, das Konto ((weiterhin)) bei der UBS zu haben oder UBS-Aktien zu kaufen - man kann das Konto auflösen und/oder die Aktien verkaufen, das dauert nicht viel länger als ein Interview zu geben :)
Zweitens kann die UBS gar nicht anders, als weiter Boni zu zahlen wegen laufenden Arbeitsverträgen - besonders im Investmentbanking wenn keine supranationale Lösung gefunden wird. Aenderungen in den Arbeitsverträgen in den USA und anderen Ländern würden und werden Klagewellen und Abwanderungen der hochbezahlten Spezialisten nach sich ziehen - das zeigt einmal mehr, dass die Boni auf Schönwetterperioden ausgelegt wurden und nicht einmal nach dem Katastrophenjahr 2007/08 angepasst werden konnten. Ein weiteres Armutszeugnis für das Risikomanagement in der UBS. Der Bund hat entweder nicht hingehört oder die UBS hat letzte Woche wieder einmal juristisch vieldeutig fabuliert und eine Nebelgranate gezündet bei konkreten Fragen - jedenfalls gibt es keine wasserdichte Verpflichtung der UBS und keine Auflage seitens des Bundes. Bundesnaiv.
Drittens musste das Börse personifiziert werden, um den Skandal boulevardmässig bearbeiten zu können. Es ist nur noch von Marcel Ospel ((natürlich zurecht)) die Rede - aber neben ihm "verdienen" Hunderte von Angestellten im Investmentbanking ebenfalls Millionenboni. Es ist nicht unüblich, dass leitende Angestellte bzw. Teams in den Tradingdesks mehr als ihre Chefs verdienen. Von ihnen redet Niemand. Wenn Ospel in den nächsten Wochen unter Krokodilstränen für eine PR-Aktion ein paar Millionen erstattet, stört das weder ihn noch die Bank - er hat genug Geld aus den früheren Jahren und die Namen der im Ausland lebenden UBS-Kader kennt in der Schweiz kein Mensch, darum stört sich auch Niemand mehr daran wenn der Volkszorn abgeflaut ist ((das mit Ospel war übrigens eine letzte Prognose)).
Das war es definitiv zur UBS in diesem Blog. Ich mag nicht mehr zu diesem leidigen Thema in den Sandsackdie Tasten zu hauen - wenigstens war es ein gutes Fallbeispiel für die Abzockerinitiative und das "Halbwertszeitgedächtnis" vieler Schweizer Politiker, die sich nun plötzlich lautstark dafür einsetzen, dass der Aktionär die Löhne der Führung festlegen darf :)
PS: Es gibt nicht nur die UBS und die CS. Wir haben zum Glück noch genug grössere und kleinere Banken in der Schweiz, die gut und seriös arbeiten. Stimmen Sie mit ihrem Geld ab (( Ich warte auf den ersten Kommentar, das würde die Krise nur verschlimmern - solange eine Bank Boni in diesen Grössenordnungen zahlt und gleichzeitig Geld vom Staat fordert, hat sie offenbar ihr Geld nicht nötig - vom Vertrauensverlust nach dem Zickzackkurs der letzten Monate ganz zu schweigen.))
Ein abschliessender Eintrag zur UBS. Es hat nicht viel Sinn, sich die Finger wund zu schreiben, denn alle sind so oder so "überrascht", wenn das "Undenkbare" ((Unwort der Experten)) dann eintrifft...
Nachdem ich über die letzten Wochen ((entgegen fast aller Expertenmeinungen)) auf eine grosse mögliche Kapitalerhöhung bei der UBS im Oktober hingewiesen hatte, bekam ich gestern doch noch recht - nein, es kam schlimmer, denn das Geld konnte dieses Mal nicht mehr am Kapitalmarkt aufgenommen werden.
Hier also meine Prognosen für die nächsten Monate. Ich hoffe, dass ich dieses Mal falsch liege und 2009 nicht auf diesen Eintrag verlinken muss:
1. Am 2. Oktober an der ausserordentlichen GV hat die UBS-Führung massiv gerudert ((ich nehme jetzt nicht das Wort gelogen in den Mund, selbst die NZZ sprach aber in einem Kommentar von "...in die Irre geführt")). Das Erinnerungsvermögen in der Schweizer Printpresse scheint äusserst kurz zu sein, ausser in der NZZ habe ich praktisch keinen detaillierten Vergleich zwischen den Aussagen am 2. Oktober und jenen von Mitte Oktober gefunden, schade.
Denn: Lehman ging bekanntlich Mitte September 2008 konkurs, die Interbank-Kredite und der Geldmarkt waren schon vorher im Siechgang und Stunden danach völlig ausgetrocknet, die CDS und die relevanten Zahlen ((TED-Spreads, LIBOR...)) massiv angestiegen - also alles VOR der GV der UBS vom 2. Oktober. Da ist viel Vertrauen zerbrochen - für eine Bank im Vermögensverwaltungsgeschäft pures Gift - und wohlgemerkt von der aktuellen Führung, nicht der alten !
(( Warum soll man generell den Beschwichtigungen der UBS nun plötzlich glauben ? Man kann sich jede Pressekonferenz der letzten 12 Monate seit dem ersten Abschreiber anschauen und jedes Mal hiess es, das Schlimmste sei jetzt vorbei und der Kapitalbedarf gestillt...die "neue" Führung unterscheidet sich in keiner Weise. Der Quartalsgewinn in Q3 ist übrigens nur dank Steuergutschriften nach IFRS-Buchhaltungsregeln zustande gekommen. Die neuesten Nettogeldabflüsse anfangs Oktober werden auch interessant sein im nächsten Quartalsbericht...da kommt noch einiges.))
2. A propos glauben: Es soll mir Jemand erklären, warum der Staat nicht in ein massives ((Principal-Agent)) Problem bei der Bewertung der übernommenen UBS-Aktiven läuft. Herr Roth von der SNB sprach gestern davon, dass man nur die "besten" problematischen Papiere übernehme. Im Bund von heute steht aber ((siehe rechte Spalte)), woraus die erste Tranche dieser Aktiven besteht...
((Quelle: Der Bund, 17.10.2008, Seite 2 ))
Sondermüll. Warum wartet man für die Bewertungen nicht die Auktionen in den USA ab, die über das TARP-Paket in den nächsten Wochen anläuft und mehr Referenzpreise liefern wird ? In den USA wurden Aktiven bisher zu etwa 20 Cent / USD übernommen, schwanken aber wild über die letzten Monate - genau das ist ja eine der Ursachen der Krise. Wie sind die Papiere der UBS denn genau bewertet zum Zeitpunkt der Uebernahme ? Die Schlagworte "Mark to market myth" und "die SNB hat ja fünf bis zehn Jahre Zeit, irgendwann steigen die Preise" helfen mir da nicht weiter.
Ich darf noch einmal auf die Entwicklung der Hauspreise hinweisen in vergangenen Krisen ((Hint: Die Hauspreise in den USA können weiter stark sinken, die Hypotheken also nicht mehr bedient bzw. die Banken darauf sitzen bleiben)). Unten nochmals eine sehr simple Grafik aus dem Economist, die viel Sprengstoff enthält - besonders da im Gegensatz zu Japan noch etliche zinsvariable Hypotheken Minen erst in den nächsten 1 bis 2 Jahren "hochgehen" werden. Von Hunderten von kleineren Bankenpleiten 2009-2010 in den USA ganz zu schweigen. Diese Hauspreise bzw. Hypotheken werden nach dem Untergang ihrer Eigentümer ((sprich "Zombie-Banken")) weiter auf das Preisniveau drücken...
3. Die Absichtserklärungen zu sinkenden Boni und mehr KMU-Krediten in der Schweiz sind meiner Meinung nach reine Lippenbekenntnisse in der Krise. Herr Kurer ist Jurist und äusserst beflissen in der Formulierung solcher Antworten:
UBS-Präsident Peter Kurer räumte gestern in der Fernsehsendung «10 vor 10» zwar ein, die Boni und Löhne in seiner Firma würden «generell kleiner»; doch zweistellige Millionenboni seien weiterhin denkbar – selbst in seiner angeschlagenenen Bank mit Staatsunterstützung. Er könne solche Summen im Investmentbanking und bei den Hedge-Funds «nicht absolut ausschliessen».
(( http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Der-Bonus-stirbt-zuletzt/story/23289655 ))
Klartext: Wir zahlen weiterhin Boni, wenn nicht laufen ganze Teams im Investment-Banking zur CS und zu anderen Banken über. (( Ja, das geht auch während der Krise: Nomura etwa hat nach der Uebernahme von Lehman in Asien und Europa mehrere Teams und Schlüsselstellen verloren in den letzten vier Wochen..)). In ein paar Jahren wird es wie immer aussehen:
Soll: Mehr KMU-Kredite und weniger Boni
Ist: Mehr Boni und weniger KMU-Kredite.
Everything changes, it all stays the same.
Die einzige Chance in diesem Bereich ist wäre die Abzocker-Initative, die praktisch keine politische Partei glaubhaft unterstützt hatte - ich hatte sie in diesem Blog mehrmals erwähnt in den letzten Monaten. Bis sie zur Abstimmung kommt, ist der Sturm im Wasserglas schon wieder vorbei.
Eine andere Lösung gibt es aber noch: Wenn die UBS mit dem Gegenargument antritt, ohne hohe Löhne könne sie die "besten" Leute nicht halten, umso besser: Dann soll sie eine Holdingstruktur gründen und im Ausland beliebige Tochtergesellschaften haben, die nach Belieben Millionenlöhne und Boni zahlen können - bei Konkurs((en)) kann dann die sichere Schweizer UBS-Gesellschaft normal weitergeführt werden. Das Klumpenrisiko für die Schweiz wäre damit auch gelöst, auch die CS und jedes Finanzinstitut mit einer Bilanzsumme > X müsste sich eine Holdingstruktur mit eigenem Schweizer Geschäft geben. Die Schuldfähigkeit des Staates ist beschränkt und die nächste Krise wird kommen...alles andere ist eine Illusion.
Update 17.10.2008: Die Ratingagentur S&P reagiert (( wie immer, die Ratingagenturen hauen drauf, wenn eine Firma bereits am Boden liegt. Als Warnsignal ist das für die Katz, aber ist ein anderes Thema... )) und setzt die UBS auf die Watchlist. Hilft ganz und gar nicht fürs Image, und sicher nicht bei den Kreditkosten und bei ausländischen Investoren...
http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=aOA8TjBRwRQs&refer=home
PS: Auf talesfromthefuture werde ich das Thema Aktien/Anlagen natürlich weiterführen, aber auch dort möglichst ohne Fokus Finanzkrise - soweit es geht :)
Redaktionsschluss ein Tag vor der UBS-Rettung durch den Staat. Oder: Kreide fressen bei der Weltwoche...
Positiver ausgedrückt: Es gab über die letzten Tage praktisch keine Informationslecks und Scoops zu den Problemen und Zahlen von UBS und CS, auch nicht bei anderen Medien in der Schweiz...
PS: Was am letzten Sonntag geschah...
Die UBS hat laut Bundesrätin Widmer-Schlumpf am Sonntag mitgeteilt, dass sie Hilfe vom Staat braucht.
...
Im Vorfeld habe der Bundesrat immer Meldung von der UBS gehabt, dass die Bank die 6 Mrd CHF am Markt aufbringen könne. "Am Sonntag hat sich gezeigt, dass sie dazu nicht mehr in der Lage ist", sagte Eveline Widmer-Schlumpf am Donnerstag gegenüber Schweizer Radio DRS.
Am 15. September schrieb ich hier im Blog:
Wir werden in Europa und der Schweiz noch einige schlechte Ueberraschungen sehen ((besonders von der grössten Schweizer Bank anfangs Oktober 2008)), da bin ich mir ziemlich sicher.
Ich hätte schon bei der GV der UBS anfangs Oktober mit der News von heute gerechnet, nun ist es einige Tage länger gegangen. Die zweitgrösste Credit Suisse hat sich mit Geld aus Oelstaaten diskret vom Staatstropf fernhalten können, die UBS nicht mehr....
http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/auch_die_schweiz_stuetzt_das_finanzsystem_1.1114119.html
Wenn ich die offiziellen Erklärungen der Regierung und die Beteuerungen der letzten Wochen seitens verschiedener Vertreter von UBS ((aber auch der CS)) nochmals anschaue und wir schon bei den Oelstaaten sind...
Oder wie Warren Buffett in einem Zitat nachgesagt wird...
You don't know who's swimming naked until the tide goes out.
PS: Zu den weiterlaufenden Lohnzahlungen bzw. Gratifikationssystemen der UBS will ich gar nicht sprechen nach der Staatsbeteiligung, schadet nur dem Blutdruck...
PPS: Den Blogeintrag von gestern ((Ein schwarzer Schwan für Doris, gemeint ist eine Schweizer Bundesrätin)) hatte ich vor den News von heute geschrieben. Gilt nach wie vor...
So war es schon das letzte Mal...
In einem populären Geschichtsbuch aus dem Jahr 1975 steht zu lesen: «Als Hauptgrund für die Depression der dreissiger Jahre gilt eine massiv übertriebene Ausweitung von Krediten, die, unter anderem, eine Orgie von Spekulation in Aktien finanzierte, zusammen mit einem Mangel an genügend Konsumenten-Kaufkraft, um Produktion und Stellenangebot weiter auf hohem Niveau zu halten.» Wirkt irgendwie bekannt. Dann heisst es weiter: «Eine Weile nach dem Börsencrash schien es, dass nur jene, die direkt an der Spekulation beteiligt waren, leiden würden. In den Vereinigten Staaten konsumierten 5 Prozent der Bevölkerung einen Drittel der Güter und Dienstleistungen, und jede signifikante Reduktion der Ausgaben dieser Minderheit musste landesweite Folgen haben. Es waren aber diese 5 Prozent, die vom Börseneinbruch am stärksten betroffen waren . . .» Und so tönte es diese Woche in den Washingtoner Hearings recht dramatisch, wenn der Kongress nicht handle, werde es zur «Kernschmelze» («meltdown») des Finanzmarktes kommen mit ernsthaften Erschütterungen, vielleicht von der Grössenordnung der Depression. Die Geschichte wiederholt sich nicht – ausser in jenen Fällen, wo sie es doch tut, beim ewigen Kreislauf von «boom and bust», beim irrationalen Überschwang und jähen Absturz, geradezu ein amerikanisches Markenzeichen. Die weiche Landung gelingt manchmal; ist sie aber hart, wird es gewöhnlich spektakulär.
Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/amerika_und_seine_depressionen_1.931423.html
Das war plausibel, um den Plan an den Republikanern vorbeizubringen, die das Wort "Verstaatlichung" gar nicht mögen - obwohl Ihnen vielleicht Jemand hätte erklären müssen, dass Banken seit jeher zu den am strengsten regulierten Branchen gehören.
Das ging so lange wenige Tage gut bis die Europäer ihrerseits einen ((grosszügig dotierten Rettungsplan im Vergleich zu den USA, das wird noch zu reden geben)) Plan vorlegten. Nun muss man auch in den USA über den eigenen Schatten springen und die Klauseln im Kleingedruckten des Rettungsplans zu Hilfe nehmen. Somit werden die Aktionäre dieser Institute auch in den USA verwässert bzw. Banken teilverstaatlicht...
Finanzminister Henry Paulson habe eine entsprechende Neufassung des 700-Milliarden-Rettungspakets beschlossen. Für den Kauf von Bankaktien seien bis zu 250 Milliarden Dollar vorgesehen.
Diese direkten Kapitalspritzen sind dem Vernehmen nach zunächst für neun Grossbanken geplant, darunter die Citigroup, Wells Fargo, JPMorgan Chase, die Bank of America und Morgan Stanley. Es wird erwartet, dass danach noch weitere Institute in das Programm einbezogen werden.
Bislang war vor allem geplant, dass die Regierung den Banken wertlos gewordene Hypothekenpapiere abkauft, um die Institute vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Jetzt beteiligt sich der Staat direkt an den Instituten.
Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmenkonjunktur/story/26811098
Was ich nun schreibe, mag viele erstaunen: Man kann Bush in acht Jahren Misswirtschaft weigstens zu einer einzigen Wahl gratulieren: Hank Paulson und seinem Team ((bei allen Vorwürfen der Goldman-Vetternwirtschaft, die sofort auftauchten)), das den Plan mit diesem "Schlupfloch" so kurz vor den Wahlen durchgebracht hat und innert kurzer Zeit umsetzt.
Die Bush-Administration ist ((berechtigterweise)) ein guter Sündenbock - aber das ist zu einfach. Die Geschichte erinnert mich an den Swissair-Fall in der Schweiz, wo über viele Jahre von mehreren Teams entscheidende strategische Fehler gemacht wurden und am Schluss fast nur die letzten auf dem Kommandostand die Buhmänner waren ((natürlich auch hier nicht unbegründet)).
Man kann nun über Bernanke wettern, Paulson und über acht Jahre Bush, aber die ehemals so hoch gelobte monetäre Expansionspolitik von Alan Greenspan waren neben der unverantwortlichen Kreditvergabe der US-Banken und der Konsumgier auf Pump, die beide durch die diese Geldpolitik vereinfacht wurden, der eigentliche Grundstein für die Krise. Ein einfaches Beispiel:
Einem seit jeher potentiell Alkoholgefährdeten ((Alkoholgrad = Verschuldungsgrad der US-Bürger)) stellt man keinen hochprozentigen Schnaps hin - oder lässt die Flasche ((Hypothek)) gleich gratis auf dem Tisch stehen mit dem Hinweis er könne gratis trinken und später zahlen.
Dazu subventioniert man alle Schnapsbrennereien und Bars im Land - der Staat garantiert Jahre später die Ueberproduktion der mittlerweile verdorbenen Flaschen aufzukaufen und den Bars die nicht bezahlten Flaschen zu entschädigen. Der gealterten Alkoholiker sind am Ende meist immer noch nicht geheilt - die Spitäler sind voller Alkoholiker. Die wenig Geheilten und Entlassenen haben nicht einmal genug Geld für gesündere, alkoholfreie Getränke ((Konsum ohne Verschuldung)) nach dem jahrelangen Alkoholrausch.Was nun fast gefolgt wäre ? Der Systemkollaps bzw. die Prohibition um im Beispiel zu bleiben ((Damit haben die USA ja auch schon Erfahrung ;))
Wer die Aktionen und Spitäler zahlen wird ? Die Nüchternen, die keinen Alkohol getrunken haben über die Jahre.
PS: Ausführlicher und mit einer Grafik von prominenter Quelle hier...
...und ironisch nach den ersten Bloomberg-Meldung hier betrachtet
http://talesfromthefuture.vox.com/library/post/analyse-die-vereinigten-staaten-von-europa-wichtige-kehrtwende.html
Und das wohlgemerkt nur in Europa und für europäische Banken...
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/mehr_als_1000000000000_euro_fuer_angeschlagene_bank
Aber nein, wir haben keine Krise, alles ist gut, kleine Delle im Wachstum, die Krise ist in den USA...und die Börse steigt ja schon wieder heute.
PS: Sarkasmus gratis zwischen den Zeilen.