44 posts tagged “schweiz”
Zeichen und Wunder in der Schweiz bzw. der Schweizer Verwaltung. Zumindest kommt das Thema einmal auf die Traktandenliste...
Der Bund hat einen Millionenauftrag an Microsoft ohne Ausschreibung vergeben und damit die Anbieter von Open-Source-Produkten vom Wettbewerb ausgeschlossen. Parlamentarier fordern von der Verwaltung bei der Beschaffung mehr Transparenz.
http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/risiken_der_microsoft-strategie_abklaeren_1.2507074.html
Weitermachen. Mit der Transparenz. Dazu nur ein schon bekanntes Musterbeispiel ((Stichwort BBL und Immobilien)) aus dem Jahre 2008...
Der Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle über Misswirtschaft bei den Auslandimmobilien der Eidgenossenschaft erregte Aufsehen. Das zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik im Departement von Hans-Rudolf Merz kam bös an die Kasse.
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Bekannt wurde ausserdem der geplante Kauf einer Luxuswohnung für die Schweizer Verteidigungsattachées in Paris. Das BBL wollte für diese im besten Viertel von Paris eine 4,2 Millionen Franken teure Bleibe erwerben. Die KöB lehnte den Kauf aber ab – wegen des zu hohen Preises. Dennoch musste die Eidgenossenschaft dem Makler gegen 300'000 Franken überwiesen – unter anderem für Gebühren.
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Departement-Merz-redet-Misswirtschaft-schoen/story/22694722
Ein Verlustezyklus der eines Tages wieder auftauchen wird. Die Probleme ((asymmetrische Risiken)) bleiben nach wie vor ungelöst bei den zwei Grossbanken - sowohl bei den Lohnsystemen als auch beim Klumpenrisiko für die Schweiz und die Schweizer Währung...
PS: Update. Christoph Blocher hatte die Idee einer Holding/Abtrennung im letzten Oktober, vermerkte ich damals auch hier im Blog. Nun nimmt er die Idee ((Nebelgranate nach der Niederlage bei der letzten Abstimmung ;) ?)) wieder medienwirksam auf...
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Gespaltene-SVP-Blocher-und-Kaufmann-gemeinsam-gegeneinander/story/20246546
Ueber die letzten Jahre hatte nur Rudolf Strahm einige Male mit Nachdruck auf die Klumpenrisiken hingewiesen und Verbesserungsvorschläge eingebracht. Eigentlich erstaunlich, besonders nach dem Zusammenbruch der Swissair, welcher volkswirtschaftlich einen kleineren Schaden als bei einem potentiellen Zusammenbruch von UBS oder CS mit sich brachte.
Ringeltanz, eine Kernkompetenz für den Bundesrat...?
http://www.youtube.com/watch?v=c918KwWVmtk
Am 10. Dezember finden wir es heraus. Das Kinderparlament hat er wohl schon nach dieser Sendung auf seiner Seite.
Viele Leute haben sich bis jetzt nicht mit der Abzockerinitiative auseinandergesetzt und haben weiterhin falsche Vorstellungen, etwa, dass eine Lohnobergrenze oder eine Bandbreite gefordert wird - dem ist nicht so.
Siehe dazu unten das Interview auf Telezüri vom 20. Oktober 2008. Der Initiant Minder ((wie auch der anwesende Vertreter der FDP Luzern, Otto Ineichen)) forden darüber hinaus wichtige Anpassungen in der Aktienrechtsrevision um das Depotstimmrecht zu verbessern ((Abstimmungspflicht für Pensionskassen etc.)) sowie bessere Unterschiede zwischen Kleinbetrieben und Konzernen, um unnötige Bürokratie zu vermeiden...
http://www.telezueri.ch/index.php?id=60868
((Videos sind im Archiv online verfügbar -> siehe 20. und 21. Oktober 2008))
Ein Silberstreif unter all den bürgerlichen Parlamentariern, die den Kopf in den Sand stecken oder austrocknende Spenden aus der Finanzbranche fürchten.
PS: Die FDP Luzern war übrigens eine der wenigen Sektionen der FDP ((oder überhaupt aller bürgerlichen Parteien)), weöche die Abzockerinitiative unterstützt hatte. Die Mehrheit der FDP spielte schon bei den Parallelimporten ein Trauerspiel mit ((Freunde Der Pharmalobby)), das F kann man bald aus dem Namen streichen.
PPS: Nur einen Tag später ((Dienstag, 21. Oktober 2008)) war der Wirtschaftsprofessor Walter Wittman Interview-Gast, auch dieses Interview ((besonders seine Erläuterungen zum europäischen Ordo-Liberalismus, die häufig missverstanden wurden)) ist sehenswert.
Nicht nur bei der UBS, sondern auch bei Novartis hat die Chefetage offenbar nichts gelernt. Soeben diese Aussagen im TV-Interview ((auf der Seite eingebettet)) gesehen...
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Vasella-nennt-LohnDebatte-Populismus/story/13187241
Herr Vasella wiederholt seit Jahren den gleichen Unsinn, was sein Salär angeht - es ist aber äusserst unverfroren, wenn er das gerade in der jetzigen Zeit bekräftigt.
Man muss nicht weit ausholen und mit Moral oder Ethik argumentieren. Es geht viel einfacher und quantitativ belegbar. Knapp und klar ((und rein "kapitalistisch")) argumentiert: Die Novartis-Aktie hätte in den letzten Jahren einen unglaublichen Höhenflug hinlegen müssen, dann wäre Vasellas Salär gerechtfertigt gemäss Shareholder Value - hat sie aber nicht. Im Gegenteil, unten ist ein Vergleich mit einem direkten Konkurrenten: Siehe den Roche-Aktienkurs ((in rot)) mit dem Kurs der Novartis-Aktie ((in blau)) über die letzten Jahre....
Warum verdienen denn die Roche-Chefs einige Millionen weniger ((und immer noch genug)) und haben den Wert ihres Unternehmens langfristig weitaus besser steigern können als Novartis ?
Gleichzeitig müssten in der Logik Vasellas die grossen asiatischen Konzerne schon lange konkurs sein - so etwa ((nur als ein Beispiel)) der grösste Autokonzern der Welt, Toyota. Dort verdient der CEO weniger als eine Million USD pro Jahr (( Quelle: http://www.manifest.co.uk/news/2004/20040510Forbes.htm )) - wohl ein Haufen unfähige Leute bei Toyota, die qualitativ schlechte und unbeliebte Autos bauen, darum haben die Chefs auch nicht mehr Lohn verdient.
PS: A propos Logik. Vasella war in jungen Jahren in einer marxistisch-leninistischen Schülerorganisation aktiv. Les extrêmes se touchent :)
Fehlermeldung auf der neuen Cash-Seite heute Montag. Die Wirren der letzten Wochen haben offenbar selbst dem erfahrenen Börsenguru die Sprache verschlagen :)
Darunter sieht man das neue Layout der Zeitung Cash ((vormals Cash Daily))...
A propos Redesign: Warum muss man sich immer noch einloggen, um die PDF-Ausgabe zu lesen ? Videos sind auch weder einbett- noch verlinkbar. Das hatten schon andere Leute früher einmal diskutiert...
Sie sprachen vorhin davon, dass Ihr Blog-Netzwerk bald schon mehr Unique Clients zählen könnte als cash.ch. Was macht die Konkurrenz falsch?
- Die Website von "Cash daily" ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie man’s nicht machen darf. Dieses alte Konzept -- der Content wird eingesperrt, die Leser müssen sich registrieren -- funktioniert heute einfach nicht mehr. Es ist ja nicht einmal möglich, auf Artikel zu verlinken. Wenn ich einen Artikel weiterempfehlen will, mache ich einen Screenshot und verschicke den per E-Mail. Das ist Web 1.0 at its best.Haben die Verleger die Entwicklung im Internet Ihrer Ansicht nach generell verschlafen?
- Im Moment sieht's danach aus. Ich finde, man müsste die Verleger in ein Web 2.0-Seminar stecken und ihnen erklären, wie die Ressource Information im Internet eigentlich funktioniert. Es herrscht zum Beispiel immer noch der Irrglaube vor, dass die User über die Homepage auf die Website kommen und sich dann durchklicken, doch dabei weiss man doch, dass viele per Google kommen. Vielleicht kann der Verleger das nicht verstehen, weil er die Zeitung auch am Stück ausliefert, und deswegen sind ihm die anderen Kanäle egal. Das ist dann halt Pech.
Quelle: http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=73294
ROFL. Told. You. So. Ich muss nicht bis 2009 warten um auf meine Prognose vom 16.10.08 ((Punkt 3)) zu verlinken, dass die Versprechungen der UBS-Spitze bezüglich Boni reine Lippenbekenntnisse waren und bleiben werden...
Der Bund schiesst bei der UBS 6 Milliarden Franken ein, die Nationalbank übernimmt faule UBS-Papiere für 60 Milliarden. Doch diese Staatshilfe hindert die Grossbank nicht daran, im nächsten Frühling 7 Milliarden Franken an Boni auszuzahlen.
Zur Zahl von 7 Milliarden Franken will die Bank keine Stellung nehmen. Sprecherin Eveline Müller-Eichenberger sagt nur: «Es werden Boni gezahlt. Die Summe der Boni wird aber mit Sicherheit kleiner sein als im Vorjahr.» Damals waren es noch 12 Milliarden Franken – trotz Konzernverlust.
Habe keinen Zweifel, an den der Zeitung "Sonntag" gesteckten ((via Tagesanzeiger oben zitierten)) Infos zu zweifeln. Ich frage mich, wie naiv Bundesbern war, als diese Rettungsaktion ((pardon: vertrauensbildende Massnahme aus Sicht der Bank)) beschlossen wurde letzte Woche. Im Original der Zeitung "Sonntag" sieht das noch eindrücklicher aus für Leute, die sich wenig mit dem Thema beschäftigt haben. Die Boniauszahlungen der letzten Jahre zeigen die Grössenordnungen in Relation zur nun ((angeblich so dringend benötigten)) Bundeshilfe...
(( Quelle: Sonntag, 19.10.2008, Titelseite. Wohlgemerkt, es sind oben nur Boni dargestellt. Die ((zu)) hohen Dividenausschüttungen der letzten Jahre müsste man auch addieren... ))
Erstens ist es köstlich, wie sich nun alle über die Saläre aufregen, obwohl diese seit Jahren bekannt sind. Besonders die Politiker, das macht sich gut. Die Abzocker-Intiative des Kleinunternehmers Minder ((Trybol)) hat selbst die SP nur auf dem Papier unterstützt, die Grünen etwas aktiver. Ausser der Grünen Partei und einigen kleinen Sektionen anderer Parteien hat keine politische Kraft (( weder bei der Revision des Aktienrechts noch bei der Unterstützung der Abzockerinitiative)) viel Energie aufgebracht zum Thema.
Auf Kundenseite nicht anders: Vor UBS-Filialen und an Aktionärsversammlungen empören sich Kunden und Kleinaktionäre bei hingestreckten Mikrofonen. Köstlich 2.0. Wir haben kein Bankmonopol - kein Mensch hat diese Leute gezwungen, das Konto ((weiterhin)) bei der UBS zu haben oder UBS-Aktien zu kaufen - man kann das Konto auflösen und/oder die Aktien verkaufen, das dauert nicht viel länger als ein Interview zu geben :)
Zweitens kann die UBS gar nicht anders, als weiter Boni zu zahlen wegen laufenden Arbeitsverträgen - besonders im Investmentbanking wenn keine supranationale Lösung gefunden wird. Aenderungen in den Arbeitsverträgen in den USA und anderen Ländern würden und werden Klagewellen und Abwanderungen der hochbezahlten Spezialisten nach sich ziehen - das zeigt einmal mehr, dass die Boni auf Schönwetterperioden ausgelegt wurden und nicht einmal nach dem Katastrophenjahr 2007/08 angepasst werden konnten. Ein weiteres Armutszeugnis für das Risikomanagement in der UBS. Der Bund hat entweder nicht hingehört oder die UBS hat letzte Woche wieder einmal juristisch vieldeutig fabuliert und eine Nebelgranate gezündet bei konkreten Fragen - jedenfalls gibt es keine wasserdichte Verpflichtung der UBS und keine Auflage seitens des Bundes. Bundesnaiv.
Drittens musste das Börse personifiziert werden, um den Skandal boulevardmässig bearbeiten zu können. Es ist nur noch von Marcel Ospel ((natürlich zurecht)) die Rede - aber neben ihm "verdienen" Hunderte von Angestellten im Investmentbanking ebenfalls Millionenboni. Es ist nicht unüblich, dass leitende Angestellte bzw. Teams in den Tradingdesks mehr als ihre Chefs verdienen. Von ihnen redet Niemand. Wenn Ospel in den nächsten Wochen unter Krokodilstränen für eine PR-Aktion ein paar Millionen erstattet, stört das weder ihn noch die Bank - er hat genug Geld aus den früheren Jahren und die Namen der im Ausland lebenden UBS-Kader kennt in der Schweiz kein Mensch, darum stört sich auch Niemand mehr daran wenn der Volkszorn abgeflaut ist ((das mit Ospel war übrigens eine letzte Prognose)).
Das war es definitiv zur UBS in diesem Blog. Ich mag nicht mehr zu diesem leidigen Thema in den Sandsackdie Tasten zu hauen - wenigstens war es ein gutes Fallbeispiel für die Abzockerinitiative und das "Halbwertszeitgedächtnis" vieler Schweizer Politiker, die sich nun plötzlich lautstark dafür einsetzen, dass der Aktionär die Löhne der Führung festlegen darf :)
PS: Es gibt nicht nur die UBS und die CS. Wir haben zum Glück noch genug grössere und kleinere Banken in der Schweiz, die gut und seriös arbeiten. Stimmen Sie mit ihrem Geld ab (( Ich warte auf den ersten Kommentar, das würde die Krise nur verschlimmern - solange eine Bank Boni in diesen Grössenordnungen zahlt und gleichzeitig Geld vom Staat fordert, hat sie offenbar ihr Geld nicht nötig - vom Vertrauensverlust nach dem Zickzackkurs der letzten Monate ganz zu schweigen.))
Ein abschliessender Eintrag zur UBS. Es hat nicht viel Sinn, sich die Finger wund zu schreiben, denn alle sind so oder so "überrascht", wenn das "Undenkbare" ((Unwort der Experten)) dann eintrifft...
Nachdem ich über die letzten Wochen ((entgegen fast aller Expertenmeinungen)) auf eine grosse mögliche Kapitalerhöhung bei der UBS im Oktober hingewiesen hatte, bekam ich gestern doch noch recht - nein, es kam schlimmer, denn das Geld konnte dieses Mal nicht mehr am Kapitalmarkt aufgenommen werden.
Hier also meine Prognosen für die nächsten Monate. Ich hoffe, dass ich dieses Mal falsch liege und 2009 nicht auf diesen Eintrag verlinken muss:
1. Am 2. Oktober an der ausserordentlichen GV hat die UBS-Führung massiv gerudert ((ich nehme jetzt nicht das Wort gelogen in den Mund, selbst die NZZ sprach aber in einem Kommentar von "...in die Irre geführt")). Das Erinnerungsvermögen in der Schweizer Printpresse scheint äusserst kurz zu sein, ausser in der NZZ habe ich praktisch keinen detaillierten Vergleich zwischen den Aussagen am 2. Oktober und jenen von Mitte Oktober gefunden, schade.
Denn: Lehman ging bekanntlich Mitte September 2008 konkurs, die Interbank-Kredite und der Geldmarkt waren schon vorher im Siechgang und Stunden danach völlig ausgetrocknet, die CDS und die relevanten Zahlen ((TED-Spreads, LIBOR...)) massiv angestiegen - also alles VOR der GV der UBS vom 2. Oktober. Da ist viel Vertrauen zerbrochen - für eine Bank im Vermögensverwaltungsgeschäft pures Gift - und wohlgemerkt von der aktuellen Führung, nicht der alten !
(( Warum soll man generell den Beschwichtigungen der UBS nun plötzlich glauben ? Man kann sich jede Pressekonferenz der letzten 12 Monate seit dem ersten Abschreiber anschauen und jedes Mal hiess es, das Schlimmste sei jetzt vorbei und der Kapitalbedarf gestillt...die "neue" Führung unterscheidet sich in keiner Weise. Der Quartalsgewinn in Q3 ist übrigens nur dank Steuergutschriften nach IFRS-Buchhaltungsregeln zustande gekommen. Die neuesten Nettogeldabflüsse anfangs Oktober werden auch interessant sein im nächsten Quartalsbericht...da kommt noch einiges.))
2. A propos glauben: Es soll mir Jemand erklären, warum der Staat nicht in ein massives ((Principal-Agent)) Problem bei der Bewertung der übernommenen UBS-Aktiven läuft. Herr Roth von der SNB sprach gestern davon, dass man nur die "besten" problematischen Papiere übernehme. Im Bund von heute steht aber ((siehe rechte Spalte)), woraus die erste Tranche dieser Aktiven besteht...
((Quelle: Der Bund, 17.10.2008, Seite 2 ))
Sondermüll. Warum wartet man für die Bewertungen nicht die Auktionen in den USA ab, die über das TARP-Paket in den nächsten Wochen anläuft und mehr Referenzpreise liefern wird ? In den USA wurden Aktiven bisher zu etwa 20 Cent / USD übernommen, schwanken aber wild über die letzten Monate - genau das ist ja eine der Ursachen der Krise. Wie sind die Papiere der UBS denn genau bewertet zum Zeitpunkt der Uebernahme ? Die Schlagworte "Mark to market myth" und "die SNB hat ja fünf bis zehn Jahre Zeit, irgendwann steigen die Preise" helfen mir da nicht weiter.
Ich darf noch einmal auf die Entwicklung der Hauspreise hinweisen in vergangenen Krisen ((Hint: Die Hauspreise in den USA können weiter stark sinken, die Hypotheken also nicht mehr bedient bzw. die Banken darauf sitzen bleiben)). Unten nochmals eine sehr simple Grafik aus dem Economist, die viel Sprengstoff enthält - besonders da im Gegensatz zu Japan noch etliche zinsvariable Hypotheken Minen erst in den nächsten 1 bis 2 Jahren "hochgehen" werden. Von Hunderten von kleineren Bankenpleiten 2009-2010 in den USA ganz zu schweigen. Diese Hauspreise bzw. Hypotheken werden nach dem Untergang ihrer Eigentümer ((sprich "Zombie-Banken")) weiter auf das Preisniveau drücken...
3. Die Absichtserklärungen zu sinkenden Boni und mehr KMU-Krediten in der Schweiz sind meiner Meinung nach reine Lippenbekenntnisse in der Krise. Herr Kurer ist Jurist und äusserst beflissen in der Formulierung solcher Antworten:
UBS-Präsident Peter Kurer räumte gestern in der Fernsehsendung «10 vor 10» zwar ein, die Boni und Löhne in seiner Firma würden «generell kleiner»; doch zweistellige Millionenboni seien weiterhin denkbar – selbst in seiner angeschlagenenen Bank mit Staatsunterstützung. Er könne solche Summen im Investmentbanking und bei den Hedge-Funds «nicht absolut ausschliessen».
(( http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Der-Bonus-stirbt-zuletzt/story/23289655 ))
Klartext: Wir zahlen weiterhin Boni, wenn nicht laufen ganze Teams im Investment-Banking zur CS und zu anderen Banken über. (( Ja, das geht auch während der Krise: Nomura etwa hat nach der Uebernahme von Lehman in Asien und Europa mehrere Teams und Schlüsselstellen verloren in den letzten vier Wochen..)). In ein paar Jahren wird es wie immer aussehen:
Soll: Mehr KMU-Kredite und weniger Boni
Ist: Mehr Boni und weniger KMU-Kredite.
Everything changes, it all stays the same.
Die einzige Chance in diesem Bereich ist wäre die Abzocker-Initative, die praktisch keine politische Partei glaubhaft unterstützt hatte - ich hatte sie in diesem Blog mehrmals erwähnt in den letzten Monaten. Bis sie zur Abstimmung kommt, ist der Sturm im Wasserglas schon wieder vorbei.
Eine andere Lösung gibt es aber noch: Wenn die UBS mit dem Gegenargument antritt, ohne hohe Löhne könne sie die "besten" Leute nicht halten, umso besser: Dann soll sie eine Holdingstruktur gründen und im Ausland beliebige Tochtergesellschaften haben, die nach Belieben Millionenlöhne und Boni zahlen können - bei Konkurs((en)) kann dann die sichere Schweizer UBS-Gesellschaft normal weitergeführt werden. Das Klumpenrisiko für die Schweiz wäre damit auch gelöst, auch die CS und jedes Finanzinstitut mit einer Bilanzsumme > X müsste sich eine Holdingstruktur mit eigenem Schweizer Geschäft geben. Die Schuldfähigkeit des Staates ist beschränkt und die nächste Krise wird kommen...alles andere ist eine Illusion.
Update 17.10.2008: Die Ratingagentur S&P reagiert (( wie immer, die Ratingagenturen hauen drauf, wenn eine Firma bereits am Boden liegt. Als Warnsignal ist das für die Katz, aber ist ein anderes Thema... )) und setzt die UBS auf die Watchlist. Hilft ganz und gar nicht fürs Image, und sicher nicht bei den Kreditkosten und bei ausländischen Investoren...
http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=aOA8TjBRwRQs&refer=home
PS: Auf talesfromthefuture werde ich das Thema Aktien/Anlagen natürlich weiterführen, aber auch dort möglichst ohne Fokus Finanzkrise - soweit es geht :)
Gestern in einer Schweizer Buchhandlung: Die deutsche Ausgabe des Buchs sei ausverkauft, von der englischen ((UK Ausgabe)) haben Sie aber noch Exemplare....
Einschneidende und rasch eintretende Ereignisse können nicht vorausgesagt werden, wir sind mehr oder weniger machtlos.
Ich finde das Buch ((und die früheren Bücher dieses Autors)) zwar interessant, aber der Erklärungsgehalt für die momentane Krise erscheint mir eher gering. Man hat die aufkommenden Probleme in den USA mit genügend anderen Krisen vergleichen können, darum ist die gegenwärtige Finanzkrise meiner Meinung nach nur oberflächlich betrachtet "ein schwarzer Schwan".
Ich habe seit letztem Herbst etliche Links und Statistiken dazu in diesem Blog verlinkt und via "Tales From The Future" gewarnt vor Anlagen in Finanztitel und grossen Aktienanteilen allgemein gegen Ende 2006 und nochmals im Herbst 2007 - Artikel und Statistiken im angesehenen Economist und historische Parallelen zu Finnland/Schweden und Japan gab es mehr als genug.
Es gab auch genügend bekannte Akademiker und Investoren (( Nouriel Roubini, Robert Shiller und mehrere Hedge Funds wie etwa derjenige von John Paulson...
http://www.independent.co.uk/news/world/americas/he-bet-on-the-credit-crisis-ndash-and-took-home-37bn-last-year-810377.html
)) die vor der Krise warnten.
Das Problem ist, dass die Sell-Side Analysten der Banken und die Masse der ((oft gierigen)) Anleger mit dem riesigen Geldstrom schwimmen und nicht auf die wenigen Warner am Ufer hören, die nächste gefährliche Stromschnelle nähere sich. Warum auch, wir schwimmen im Geld und täglich steigt der Pegel.
In einigen Jahren wird die nächste Stromschnelle kommen. Ich denke, sie wird im asiatischen Raum, wahrscheinlich in China, ihren Ursprung haben.
Wer deshalb eine allgemeinere Betrachtungsweise zu Krisen sucht, dem sei dieser Klassiker empfohlen. Siehe auch das Zitat auf der Titelseite, es ist mehr wert als jeder Anlagebericht...
Redaktionsschluss ein Tag vor der UBS-Rettung durch den Staat. Oder: Kreide fressen bei der Weltwoche...
Positiver ausgedrückt: Es gab über die letzten Tage praktisch keine Informationslecks und Scoops zu den Problemen und Zahlen von UBS und CS, auch nicht bei anderen Medien in der Schweiz...
PS: Was am letzten Sonntag geschah...
Die UBS hat laut Bundesrätin Widmer-Schlumpf am Sonntag mitgeteilt, dass sie Hilfe vom Staat braucht.
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Im Vorfeld habe der Bundesrat immer Meldung von der UBS gehabt, dass die Bank die 6 Mrd CHF am Markt aufbringen könne. "Am Sonntag hat sich gezeigt, dass sie dazu nicht mehr in der Lage ist", sagte Eveline Widmer-Schlumpf am Donnerstag gegenüber Schweizer Radio DRS.