15 posts tagged “ubs”
Viel ist zum Thema und einem möglichen "Exempel", das an der UBS statuiert werden soll, schon geschrieben worden. Dieses Video-Interview scheint mir besonders interessant zu sein kurz vor dem Prozessbeginn...
Entweder kommt es zum teuren Befreiungsschlag ((Vergleich)) oder zu einem langjährigen Rechtsstreit, der im Anschluss auch weiteren Auslandsbanken ((erwähnt werden konkret die CS und HSBC)) blühen könnte.
PS: Nicht erst seit der Finanzhilfe durch den Bund ist auch die Schweizer Regierung und das Schweizer Banksystem für ausländische Kunden auf der Anklagebank. Ein Mosaikstein ist hochaktuell. Ohne in Verschwörungstheorien abzugleiten könnte die Affäre Tinner * ein weiteres Detail - nebst den häufiger hervorgebrachten politischen Argumenten aus Schweizer Seite ((UBS-Arbeitsplätze in den USA **, gute Dienste der Schweiz für die USA )) - darstellen. Spätestens wenn sich heraustellen sollte, dass die Akten CIA-verseucht sind und die Schweizer Regierung sich deshalb mit Händen und Füssen gegen eine Herausgabe wehrte und wehrt...
* http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/die_verworrene_affaere_tinner_im_zeitraffer_1.2982785.html
** Siehe dazu aktuell auch...
und...
http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/prof_kunz_1.2977913.html
Einige Leute fragen immer noch erstaunt warum denn ihre Aktien ((so etwa die UBS, die ja durch den Staat gerettet worden sei)) weiter fallen. Ich verstehe den Optimismus nicht. Offenbar ist den meisten Leuten in der Schweiz immer noch nicht bewusst, in welche Situation wir 2009 geraten. Deshalb eine weitere Einschätzung der Lage durch Nouriel Roubini aus einem Interview mit Bloomberg von Mitte November 2008...
Wenn die Autobauer in den USA zusammenbrechen ((zumindest einer von ihnen)) und die Citigroup ((C)) weiter wackelt wird dies noch viel schlimmere kurzfristige Konsequenzen haben, nicht nur an den Aktienmärkten und nicht nur in den USA.
PS: Siehe auch meine früheren Einträge zu diesen Themenkreisen, die Entwicklung zeichnete sich seit Monaten ab. Die Probleme bei der UBS sind aber hausgemacht und die Führung glaubt offenbar selbst nicht mehr an die eigene Bank. Hier redet ein Privatbankier Klartext...
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Genfer-Privatbankier-attackiert-UBSSpitze/story/17497157
Am 13. Oktober hatte hier im Blog geschrieben, dass wir am 10. Oktober meiner Meinung nach noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht haben an der Börse. Heute kann es zu einem richtigen Crash in den USA kommen...
http://www.20min.ch/news/wirtschaft/story/Boerse-bricht-ein---UBS-faellt-auf-Allzeittief-20463825
Die US-Börsen ((bzw. die Futures)) haben heute vor der Eröffnung soeben die Limit Downs erreicht. Das sind Limiten nach oben und unten, bei denen der Handel automatisch für einige Minuten ((sozusagen wie eine Sicherung in einem Stromkreislauf)) ausgesetzt wird. Heute ist dieses Limit vorbörslich nach unten durchbrochen werden nach den schlechten Vorgaben aus den USA und Europa.
Heute oder am nächsten Montag kann es einen richtigen Crash geben, wenn die Limits in den ersten 1-2 Stunden in den USA durchbrochen werden - eventuell auch "nur" einen wilden Zickzackkurs mit extrem hohen Volatilitäten ((darum mache ich momentan gar nichts mehr an der Börse, siehe TFTF-Blog für Details)).
Den Kleinanlegern in der Schweiz, die in den letzten Tagen zum Beispiel UBS-Aktien nach der vermeintlichen "Rettung" durch den Staat gekauft haben, kann man sowieso nicht mehr helfen, ich habe ja öfters zum Thema geschrieben. (( Natürlich kann man seit anfangs Oktober in kleinen Mengen und über Wochen verteilt Aktien kaufen, wer jetzt schon grosse Käufe und schnelle Erholung setzt, guckt in die Sonne. ))
Meine eigenen Prognosen für 2009 habe ich ja schon abgegeben auf talesfromthefuture und hier (( Deflation, Tiefzinsen bis Nullzinsen in den USA und Europa sowie Rezession bis Depression in einigen Volkswirtschaften nach der Währungskrise in einigen sich entwickelnden Ländern... )).
Soviel zum Thema "Die Finanzkrise betrifft uns nicht, ich lebe in der Schweiz und habe keine Aktien", es werden noch einige Leute unsanft aufwachen in den nächsten Monaten.
PS: Kein Wunder, immer mehr schwarze Schwäne tauchen auf. Lustiges Layout im Berner Bund heute auf der Titelseite mit zwei "benachbarten" Artikeln...
PPS: Ist das schwarz gemalt ? Nein, das obige Szenario ist mein realistisches für 2009. Denn ein wirklich negatives Szenario wäre ein neuerlicher Terroranschlag in den nächsten Wochen ((vor allem vor den Wahlen)) in den USA...
ROFL. Told. You. So. Ich muss nicht bis 2009 warten um auf meine Prognose vom 16.10.08 ((Punkt 3)) zu verlinken, dass die Versprechungen der UBS-Spitze bezüglich Boni reine Lippenbekenntnisse waren und bleiben werden...
Der Bund schiesst bei der UBS 6 Milliarden Franken ein, die Nationalbank übernimmt faule UBS-Papiere für 60 Milliarden. Doch diese Staatshilfe hindert die Grossbank nicht daran, im nächsten Frühling 7 Milliarden Franken an Boni auszuzahlen.
Zur Zahl von 7 Milliarden Franken will die Bank keine Stellung nehmen. Sprecherin Eveline Müller-Eichenberger sagt nur: «Es werden Boni gezahlt. Die Summe der Boni wird aber mit Sicherheit kleiner sein als im Vorjahr.» Damals waren es noch 12 Milliarden Franken – trotz Konzernverlust.
Habe keinen Zweifel, an den der Zeitung "Sonntag" gesteckten ((via Tagesanzeiger oben zitierten)) Infos zu zweifeln. Ich frage mich, wie naiv Bundesbern war, als diese Rettungsaktion ((pardon: vertrauensbildende Massnahme aus Sicht der Bank)) beschlossen wurde letzte Woche. Im Original der Zeitung "Sonntag" sieht das noch eindrücklicher aus für Leute, die sich wenig mit dem Thema beschäftigt haben. Die Boniauszahlungen der letzten Jahre zeigen die Grössenordnungen in Relation zur nun ((angeblich so dringend benötigten)) Bundeshilfe...
(( Quelle: Sonntag, 19.10.2008, Titelseite. Wohlgemerkt, es sind oben nur Boni dargestellt. Die ((zu)) hohen Dividenausschüttungen der letzten Jahre müsste man auch addieren... ))
Erstens ist es köstlich, wie sich nun alle über die Saläre aufregen, obwohl diese seit Jahren bekannt sind. Besonders die Politiker, das macht sich gut. Die Abzocker-Intiative des Kleinunternehmers Minder ((Trybol)) hat selbst die SP nur auf dem Papier unterstützt, die Grünen etwas aktiver. Ausser der Grünen Partei und einigen kleinen Sektionen anderer Parteien hat keine politische Kraft (( weder bei der Revision des Aktienrechts noch bei der Unterstützung der Abzockerinitiative)) viel Energie aufgebracht zum Thema.
Auf Kundenseite nicht anders: Vor UBS-Filialen und an Aktionärsversammlungen empören sich Kunden und Kleinaktionäre bei hingestreckten Mikrofonen. Köstlich 2.0. Wir haben kein Bankmonopol - kein Mensch hat diese Leute gezwungen, das Konto ((weiterhin)) bei der UBS zu haben oder UBS-Aktien zu kaufen - man kann das Konto auflösen und/oder die Aktien verkaufen, das dauert nicht viel länger als ein Interview zu geben :)
Zweitens kann die UBS gar nicht anders, als weiter Boni zu zahlen wegen laufenden Arbeitsverträgen - besonders im Investmentbanking wenn keine supranationale Lösung gefunden wird. Aenderungen in den Arbeitsverträgen in den USA und anderen Ländern würden und werden Klagewellen und Abwanderungen der hochbezahlten Spezialisten nach sich ziehen - das zeigt einmal mehr, dass die Boni auf Schönwetterperioden ausgelegt wurden und nicht einmal nach dem Katastrophenjahr 2007/08 angepasst werden konnten. Ein weiteres Armutszeugnis für das Risikomanagement in der UBS. Der Bund hat entweder nicht hingehört oder die UBS hat letzte Woche wieder einmal juristisch vieldeutig fabuliert und eine Nebelgranate gezündet bei konkreten Fragen - jedenfalls gibt es keine wasserdichte Verpflichtung der UBS und keine Auflage seitens des Bundes. Bundesnaiv.
Drittens musste das Börse personifiziert werden, um den Skandal boulevardmässig bearbeiten zu können. Es ist nur noch von Marcel Ospel ((natürlich zurecht)) die Rede - aber neben ihm "verdienen" Hunderte von Angestellten im Investmentbanking ebenfalls Millionenboni. Es ist nicht unüblich, dass leitende Angestellte bzw. Teams in den Tradingdesks mehr als ihre Chefs verdienen. Von ihnen redet Niemand. Wenn Ospel in den nächsten Wochen unter Krokodilstränen für eine PR-Aktion ein paar Millionen erstattet, stört das weder ihn noch die Bank - er hat genug Geld aus den früheren Jahren und die Namen der im Ausland lebenden UBS-Kader kennt in der Schweiz kein Mensch, darum stört sich auch Niemand mehr daran wenn der Volkszorn abgeflaut ist ((das mit Ospel war übrigens eine letzte Prognose)).
Das war es definitiv zur UBS in diesem Blog. Ich mag nicht mehr zu diesem leidigen Thema in den Sandsackdie Tasten zu hauen - wenigstens war es ein gutes Fallbeispiel für die Abzockerinitiative und das "Halbwertszeitgedächtnis" vieler Schweizer Politiker, die sich nun plötzlich lautstark dafür einsetzen, dass der Aktionär die Löhne der Führung festlegen darf :)
PS: Es gibt nicht nur die UBS und die CS. Wir haben zum Glück noch genug grössere und kleinere Banken in der Schweiz, die gut und seriös arbeiten. Stimmen Sie mit ihrem Geld ab (( Ich warte auf den ersten Kommentar, das würde die Krise nur verschlimmern - solange eine Bank Boni in diesen Grössenordnungen zahlt und gleichzeitig Geld vom Staat fordert, hat sie offenbar ihr Geld nicht nötig - vom Vertrauensverlust nach dem Zickzackkurs der letzten Monate ganz zu schweigen.))
Ein abschliessender Eintrag zur UBS. Es hat nicht viel Sinn, sich die Finger wund zu schreiben, denn alle sind so oder so "überrascht", wenn das "Undenkbare" ((Unwort der Experten)) dann eintrifft...
Nachdem ich über die letzten Wochen ((entgegen fast aller Expertenmeinungen)) auf eine grosse mögliche Kapitalerhöhung bei der UBS im Oktober hingewiesen hatte, bekam ich gestern doch noch recht - nein, es kam schlimmer, denn das Geld konnte dieses Mal nicht mehr am Kapitalmarkt aufgenommen werden.
Hier also meine Prognosen für die nächsten Monate. Ich hoffe, dass ich dieses Mal falsch liege und 2009 nicht auf diesen Eintrag verlinken muss:
1. Am 2. Oktober an der ausserordentlichen GV hat die UBS-Führung massiv gerudert ((ich nehme jetzt nicht das Wort gelogen in den Mund, selbst die NZZ sprach aber in einem Kommentar von "...in die Irre geführt")). Das Erinnerungsvermögen in der Schweizer Printpresse scheint äusserst kurz zu sein, ausser in der NZZ habe ich praktisch keinen detaillierten Vergleich zwischen den Aussagen am 2. Oktober und jenen von Mitte Oktober gefunden, schade.
Denn: Lehman ging bekanntlich Mitte September 2008 konkurs, die Interbank-Kredite und der Geldmarkt waren schon vorher im Siechgang und Stunden danach völlig ausgetrocknet, die CDS und die relevanten Zahlen ((TED-Spreads, LIBOR...)) massiv angestiegen - also alles VOR der GV der UBS vom 2. Oktober. Da ist viel Vertrauen zerbrochen - für eine Bank im Vermögensverwaltungsgeschäft pures Gift - und wohlgemerkt von der aktuellen Führung, nicht der alten !
(( Warum soll man generell den Beschwichtigungen der UBS nun plötzlich glauben ? Man kann sich jede Pressekonferenz der letzten 12 Monate seit dem ersten Abschreiber anschauen und jedes Mal hiess es, das Schlimmste sei jetzt vorbei und der Kapitalbedarf gestillt...die "neue" Führung unterscheidet sich in keiner Weise. Der Quartalsgewinn in Q3 ist übrigens nur dank Steuergutschriften nach IFRS-Buchhaltungsregeln zustande gekommen. Die neuesten Nettogeldabflüsse anfangs Oktober werden auch interessant sein im nächsten Quartalsbericht...da kommt noch einiges.))
2. A propos glauben: Es soll mir Jemand erklären, warum der Staat nicht in ein massives ((Principal-Agent)) Problem bei der Bewertung der übernommenen UBS-Aktiven läuft. Herr Roth von der SNB sprach gestern davon, dass man nur die "besten" problematischen Papiere übernehme. Im Bund von heute steht aber ((siehe rechte Spalte)), woraus die erste Tranche dieser Aktiven besteht...
((Quelle: Der Bund, 17.10.2008, Seite 2 ))
Sondermüll. Warum wartet man für die Bewertungen nicht die Auktionen in den USA ab, die über das TARP-Paket in den nächsten Wochen anläuft und mehr Referenzpreise liefern wird ? In den USA wurden Aktiven bisher zu etwa 20 Cent / USD übernommen, schwanken aber wild über die letzten Monate - genau das ist ja eine der Ursachen der Krise. Wie sind die Papiere der UBS denn genau bewertet zum Zeitpunkt der Uebernahme ? Die Schlagworte "Mark to market myth" und "die SNB hat ja fünf bis zehn Jahre Zeit, irgendwann steigen die Preise" helfen mir da nicht weiter.
Ich darf noch einmal auf die Entwicklung der Hauspreise hinweisen in vergangenen Krisen ((Hint: Die Hauspreise in den USA können weiter stark sinken, die Hypotheken also nicht mehr bedient bzw. die Banken darauf sitzen bleiben)). Unten nochmals eine sehr simple Grafik aus dem Economist, die viel Sprengstoff enthält - besonders da im Gegensatz zu Japan noch etliche zinsvariable Hypotheken Minen erst in den nächsten 1 bis 2 Jahren "hochgehen" werden. Von Hunderten von kleineren Bankenpleiten 2009-2010 in den USA ganz zu schweigen. Diese Hauspreise bzw. Hypotheken werden nach dem Untergang ihrer Eigentümer ((sprich "Zombie-Banken")) weiter auf das Preisniveau drücken...
3. Die Absichtserklärungen zu sinkenden Boni und mehr KMU-Krediten in der Schweiz sind meiner Meinung nach reine Lippenbekenntnisse in der Krise. Herr Kurer ist Jurist und äusserst beflissen in der Formulierung solcher Antworten:
UBS-Präsident Peter Kurer räumte gestern in der Fernsehsendung «10 vor 10» zwar ein, die Boni und Löhne in seiner Firma würden «generell kleiner»; doch zweistellige Millionenboni seien weiterhin denkbar – selbst in seiner angeschlagenenen Bank mit Staatsunterstützung. Er könne solche Summen im Investmentbanking und bei den Hedge-Funds «nicht absolut ausschliessen».
(( http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Der-Bonus-stirbt-zuletzt/story/23289655 ))
Klartext: Wir zahlen weiterhin Boni, wenn nicht laufen ganze Teams im Investment-Banking zur CS und zu anderen Banken über. (( Ja, das geht auch während der Krise: Nomura etwa hat nach der Uebernahme von Lehman in Asien und Europa mehrere Teams und Schlüsselstellen verloren in den letzten vier Wochen..)). In ein paar Jahren wird es wie immer aussehen:
Soll: Mehr KMU-Kredite und weniger Boni
Ist: Mehr Boni und weniger KMU-Kredite.
Everything changes, it all stays the same.
Die einzige Chance in diesem Bereich ist wäre die Abzocker-Initative, die praktisch keine politische Partei glaubhaft unterstützt hatte - ich hatte sie in diesem Blog mehrmals erwähnt in den letzten Monaten. Bis sie zur Abstimmung kommt, ist der Sturm im Wasserglas schon wieder vorbei.
Eine andere Lösung gibt es aber noch: Wenn die UBS mit dem Gegenargument antritt, ohne hohe Löhne könne sie die "besten" Leute nicht halten, umso besser: Dann soll sie eine Holdingstruktur gründen und im Ausland beliebige Tochtergesellschaften haben, die nach Belieben Millionenlöhne und Boni zahlen können - bei Konkurs((en)) kann dann die sichere Schweizer UBS-Gesellschaft normal weitergeführt werden. Das Klumpenrisiko für die Schweiz wäre damit auch gelöst, auch die CS und jedes Finanzinstitut mit einer Bilanzsumme > X müsste sich eine Holdingstruktur mit eigenem Schweizer Geschäft geben. Die Schuldfähigkeit des Staates ist beschränkt und die nächste Krise wird kommen...alles andere ist eine Illusion.
Update 17.10.2008: Die Ratingagentur S&P reagiert (( wie immer, die Ratingagenturen hauen drauf, wenn eine Firma bereits am Boden liegt. Als Warnsignal ist das für die Katz, aber ist ein anderes Thema... )) und setzt die UBS auf die Watchlist. Hilft ganz und gar nicht fürs Image, und sicher nicht bei den Kreditkosten und bei ausländischen Investoren...
http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=aOA8TjBRwRQs&refer=home
PS: Auf talesfromthefuture werde ich das Thema Aktien/Anlagen natürlich weiterführen, aber auch dort möglichst ohne Fokus Finanzkrise - soweit es geht :)
Redaktionsschluss ein Tag vor der UBS-Rettung durch den Staat. Oder: Kreide fressen bei der Weltwoche...
Positiver ausgedrückt: Es gab über die letzten Tage praktisch keine Informationslecks und Scoops zu den Problemen und Zahlen von UBS und CS, auch nicht bei anderen Medien in der Schweiz...
PS: Was am letzten Sonntag geschah...
Die UBS hat laut Bundesrätin Widmer-Schlumpf am Sonntag mitgeteilt, dass sie Hilfe vom Staat braucht.
...
Im Vorfeld habe der Bundesrat immer Meldung von der UBS gehabt, dass die Bank die 6 Mrd CHF am Markt aufbringen könne. "Am Sonntag hat sich gezeigt, dass sie dazu nicht mehr in der Lage ist", sagte Eveline Widmer-Schlumpf am Donnerstag gegenüber Schweizer Radio DRS.
Die meisten Leute in der Schweiz scheinen immer noch zu glauben das Land die Schweiz sei ((ausser via UBS)) nicht so sehr betroffen von den aktuellen Wirtschaftsproblemen und der akuten weltweiten Kreditkrise.
Auf der einen Seite der zugegeben sehr pessimistische Professor aus den USA mit seiner Einschätzung zum Stand der Dinge...
RGE Monitor
October 9, 2008Nouriel Roubini: The world is at severe risk of a global systemic financial meltdown and a severe global depression
At this point the recession train has left the station; the financial and banking crisis train has left the station. The delusion that the U.S. and advanced economies contraction would be short and shallow – a V-shaped six month recession – has been replaced by the certainty that this will be a long and protracted U-shaped recession that may last at least two years in the U.S. and close to two years in most of the rest of the world. And given the rising risk of a global systemic financial meltdown, the probability that the outcome could become a decade long L-shaped recession – like the one experienced by Japan after the bursting of its real estate and equity bubble – cannot be ruled out.
Diese Mischung aus mehrheitlich U- und etwas L-Rezession habe ich vor einigen Tagen als Szenario in diesem Blog ebenfalls skizziert ((als abstrakte Economist-Grafik zu den japanischen Hauspreisen von 1989 und was das 20 Jahre später mit der Sicherheit ihres Kontos zu tun haben könnte in der Schweiz...Brainjogging ; )). Roubini weiter:
And in a world where there is a glut and excess capacity of goods while aggregate demand is falling, soon enough we will start to worry about deflation, debt deflation, liquidity traps and what monetary policy makers should do to fight deflation when policy rates get dangerously close to zero.
At this point the risk of an imminent stock market crash – like the one-day collapse of 20% plus in U.S. stock prices in 1987 – cannot be ruled out as the financial system is breaking down, panic and lack of confidence in any counterparty is sharply rising and the investors have totally lost faith in the ability of policy authorities to control this meltdown.
At this point severe damage is done and one cannot rule out a systemic collapse and a global depression. It will take a significant change in leadership of economic policy and very radical, coordinated policy actions among all advanced and emerging market economies to avoid this economic and financial disaster.
...
The time to act is now as all the policy officials of the world are meeting this weekend in Washington at the IMF and World Bank annual meetings.
((Quelle: RGE Monitor's Newsletter, Oct 9, 2008 ))
Prognose: Heute Freitag, 10.10.2008 kann es vor den diesen Treffen am Wochende nochmals "heiter" werden rund um den Globus nach den Vorlagen aus Asien ((Nikkei - 11% !)). Siehe dazu ((nur ein Beispiel)) meinen vorherigen Beitrag zu den 400 Milliarden USD an offenen Credit Default Swaps von Lehman Brothers, die abgewickelt werden müssen...
Zur gleichen Zeit in der Schweiz. Interview mit Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf - anscheinend sind wir auf alles vorbereitet...
Eine leise Kritik an ausländischen Politikern?
Möglicherweise sind wir etwas besser vorbereitet als andere Länder.((Sind wir das ? Beim Anlegerschutz, siehe unten, arbeiten wir noch daran...))
Doch noch konkreter: Wenn eine Schweizer Bank ins Schlingern gerät ...
Der Bundesrat wird alles unternehmen, damit die Stabilität des Schweizer Finanzplatzes insgesamt
sichergestellt werden kann.((Einschub: Im Extremfall und was den durchschnittlichen Bürger betrifft: 4 Milliarden CHF / 30'000 CHF = ... reicht nicht so weit hin, das ist meiner Meinung nach eine Schönwetterzahl))
Verbesserung des Anlegerschutzes?
Ich werde sehr bald etwas Konkretes dazu sagen können. Wir arbeiten daran.
Quelle: http://www.blick.ch/news/wirtschaft/wir-sind-auf-alles-vorbereitet-102399
Das also die zwei Ansichten zur Lage. Glaube jeder was er will. Sehen wir dann, was in den nächsten Wochen und Monaten mit dem Schweizer Franken ((Wechselkurs bei weltweiter Nullzinspolitik, Gratwanderung !)), den Arbeitsplätzen bei den Banken und der Exportindustrie passieren wird.
(( Scheinbar reist nun Frau BR Leuthard in die USA an die erwähnten zwei Konferenzen an diesem Wochenende. Wenigstens glänzt die Schweiz nicht durch Abwesenheit...))
PS: A propos "Sorgenkind" UBS. Bei der Berichterstattung auf cash.ch zur UBS scheinen momentan die Zahlen nicht mehr zu stimmen...
Der UBS fliesst jeden Tag eine Milliarde ab
(( aber dann im Artikel: ))
Also verliert nur die UBS: Analysten schätzen den Nettogeldabfluss im dritten Quartal auf rund 26 Milliarden Franken, davon 10 Milliarden im Wealth Management.
Quelle: http://www.cash.ch/news/story/771/616348/40/40
Ein Berichtsquartal dauert meines Wissens immer noch 3 Monate, dh. ca. 90 Tage, das wären ja "nur" ca. 1 Milliarde pro 3 Tage und nicht pro Tag, oder ?! Vielleicht hat man gleich noch die lybischen Milliarden eingerechnet...*snicker*, siehe:
Jedenfalls dürften der UBS solche Artikel nicht helfen in dieser Sache...
Wem die Nachrichten der letzten Tage bereits schwer aufliegen, soll sich diese simple Tabelle...
http://www.weissgarnix.de/?p=590
(( Grösse der Bilanzsumme einiger europäischer Banken in Relation zum Bruttoinlandprodukt "ihres" Heimatlandes ))
...besser nicht ansehen. Alles seit langem bekannt aber nicht unbedingt vertrauenseinflössender nach den Ereignissen der letzten Monate.
Damit will ich nicht Panik verbreiten (( man kann die Schweizer Grossbanken trotz Problemen momentan zum Glück nicht mit denjenien aus den anderen zwei "Podestländern" vergleichen )) - aber die nächste Finanzkrise wird eines Tages kommen.
Nein, wird sie nicht ? Wir haben ja daraus gelernt. Hahaha. In den 90ern war die S&L-Krise in den USA etwa ein kleiner Vorgeschmack auf die jetzige Subprime-Weltwirtschaftskrise...da wurde nichts gelernt ausser das Problem im zweiten Anlauf massiv zu vergrössern.
PS: Ich war und werde kein SVP-Wähler, aber Christoph Blochers Vorschlag einer "erzwungenen" Holding mit separatem Inlandgeschäft für die zwei Schweizer Grossbanken macht zumindest als Idee Sinn - nebst einer Erhöhung der Eigenkapitalquote, wie von der Bankenkommission vorgeschlagen.
PPS: Mehr Details wie immer auf
talesfromthefuture.vox.com - wem die hier vor kurzem gezeigte
Economist-Tabelle zu den Hauspreisen in Japan von 1989 in Relation zur
Sicherheit ihres Bankkontos im Jahre 2009 zu abstrakt schien, kann auf
TFTF im Post "Turning Japanese" die Details nachlesen.
Wer immer noch an die gebetsmühlenartigen Beteuerungen wie "sehr hohe Tier1-Ratio" und "grundsolide zentraleuropäischen Schweizer Banken - kann bei uns niemals passieren" glaubt, sollte heute diesen guten Artikel des Tagesanzeigers zur Finanzkrise durchlesen:
Das Eigenartige an der Situation: Fundamental betrachtet gebe es keine neuen Fakten, sagt Sarasin-Bankenspezialist Rainer Skierka. Die US-Bankenkrise stelle für die europäischen Banken schon lange eine reale Gefahr dar. Das Misstrauen unter den Banken habe sich nun aber dramatisch vergrössert. «Wir sind nicht nur mit einem Finanz-, sondern auch mit einem akzentuierten Vertrauensproblem konfrontiert», so Skierka. Im Gesamtsystem sei an sich genügend Liquididät vorhanden, sie werde aber von den einzelnen Banken gehortet.
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Diese Problematik habe sich wegen September-Ultimos noch verschärft,
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«Wenn sich das Refinanzierungsproblem nicht entschärft, werden wir auch in Europa substanzielle Staatseingriffe erleben in der Art, wie wir sie jetzt in den USA beobachten», urteilt Beat Bernet, Professor für Bankenwirtschaft an der Universität St. Gallen. Nur so könne dann ein drohender Dominoeffekt noch aufgehalten werden, der sonst immer neue Banken in die Tiefe reissen würde. «Das Undenkbare wird auch bei uns langsam denkbar», sagt der Finanzmarktexperte zu weiteren Staatseingriffen.
Das Positive aus Schweizer Sicht: «Keine Schweizer Bank finanziert sich so einseitig über den Interbankenhandel, auch die UBS und die Credit Suisse nicht», sagt der St. Galler Finanzmarktprofessor. Schweizer Banken wiesen traditionell eine stabilere und breiter abgestützte Refinanzierungsstruktur auf. «Allerdings sind sie alle auch im europäischen Interbankenmarkt engagiert, weshalb auch sie einem entsprechenden Risiko ausgesetzt sind», so Bernet.
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«Was wir sehen, hat wenig mit rationalem Handeln zu tun. Es ist die Psychologie, die regiert», sagt Sarasin-Bankenexperte Skierka.
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Der "irrationale" Teil ist wie in jeder Finanzkrise das gefährliche Element, besonders in der momentanen Situation, wenn unerwartete Neuigkeiten wie die Ablehnung des US-Rettungsplans eintreten. Vordergründig hat das wenig mit den Schweizer Banken und der UBS zu tun, hintergründig aber schon.
Vor wenigen Wochen wurde ich noch belächelt, als ich sagte, dass ein Taucher der UBS-Aktie auf sehr tiefe zwei Stellen bis hinunter zu 10 Franken theoretisch möglich sei - und es dann sehr gefährlich werden könne. Ich hoffe es weiterhin nicht...aber die letzten 24 Stunden haben gezeigt, dass man ein solches Szenario nicht ausschliessen kann und darf.
PS: Mehr Details wie immer auf http://talesfromthefuture.vox.com/ - diesen Artikel hielt ich für so wichtig, dass ich ihn ausnahmsweise hier verlinkte.
Warum ist man als Schweizer Privatperson eigentlich ((noch)) bei der UBS Kunde ?
Diese Frage stelle ich mir schon seit Jahren, also unabhängig von der gegenwärtigen Krise der Bank, die wohl ihren letzten 1. April in der gegenwärtigen Struktur hatte ((wird ja nicht gleich zur Union Bank of Singapore, wie böse Zungen behaupten, aber fast sicher aufgeteilt bzw. mindestens das Investmentbanking abgetrennt...)).
Vermögendere Kunden sind bei einer der vielen Schweizer Privatbanken persönlicher betreut und Retailkunden bei einer Raiffeisenbank, Postfinance, einer Kantonalbank oder ähnlich zu besseren Konditionen und mit weniger Risiken aufgehoben.
Ich kenne nur eine Antwort: Bequemlichkeit, an den Schalter zu gehen und das UBS-Konto aufzulösen. UBS-Aktien muss man leider wohl noch mindestens ein paar Monate behalten bis sie wieder aufgetaucht sind :)
PS: Interview mit Marc Faber im Cash Daily von heute zum Stand der Dinge ((inhaltlich nicht neu, aber immer interessant)). Tipp: Investoren sollten in der gegenwärtigen Lage Ferien machen...
http://www.cash.ch/news/story/771/167859/40/40
...ob freiwillig oder nicht sei dahingestellt, siehe UBS-Kader.